Spritzgießsonderverfahren

Wir nutzen moderne Spritzgießvarianten, um ressourceneffiziente Leichtbautechnologien zur Fertigung nachhaltiger, wettbewerbsfähiger Formteile zu entwickeln und zu optimieren. Die stetige Weiterentwicklung der Verfahren bietet ein großes Potenzial, Lösungen für einen maßgeschneiderten Fertigungsprozess zu finden, mit dem die komplexen Anforderungen an das Produkt erfüllt werden können. Beispiele hierfür sind Oberflächengüte, Mehrfarbigkeit des Produktes, Designfreiheit und Funktionsintegration.

Unser Leistungsspektrum umfasst die Materialentwicklung mit kleinen Mustermengen und die Prozessentwicklung bis hin zur Formteilfertigung im Prototypenmaßstab.

Thermoplast-Schaumspritzgießen (TSG)

Bei Schaumspritzgießen von Thermoplasten und thermoplastischen Elastomeren wird durch Zugabe eines chemischen oder physikalischen Treibmittels zur Polymerschmelze ein Aufschäumen des Polymers beim Einspritzen in die Kavität erreicht. Die so hergestellten Integralschäume können sehr dünnwandig realisiert werden und zeichnen sich vor allem durch Gewichts- und Materialeinsparung sowie durch eine hohe spezifische Biegesteifigkeit und Maßhaltigkeit aus. Außerdem erfordert dieses Verfahren maschinenseitig niedrigere Schließkräfte und kürzere Zykluszeiten, als das Kompakt-Spritzgießen.

Zur Herstellung von geschäumten Formteilen mit integraler Schaumstruktur und guter Oberfläche können zwei Spritzgießmaschinen im Schließkraftbereich 110 t und 450 t, die mit Cellmould® bzw. MuCell® Technologie ausgestattet sind,  mit darauf angepasster Werkzeugtechnologie Eingesetzt werden. Je nach Zielbauteil können beispielsweise atmende Werkzeuge, variotherme Kavitätstemperierungen oder das Gasgegendruck-Verfahren verwendet werden. Als Versuchswerkzeuge stehen zwei Plattenwerkzeuge mit konturnahem Flächentemperiersystem sowie verschiedene konventionelle Werkzeuge zur Verfügung.

Unsere Anlagentechnik

Variothermes Spritzgießen

Durch Einsatz von Variotherm® ausgeführten Spritzgießwerkzeugen können wir Bauteile mit hochwertigen Oberflächen erzeugen, beispielsweise für Hochglanz-Rahmen von LCD-Bildschirmen oder Autoradios. Prinzip ist eine variotherme Werkzeugtemperierung, bei der die Werkzeugkavität so vortemperiert wird, dass das Polymer nach dem Einspritzen schmelzflüssig bleibt, wodurch eine präzise Abbildung der Oberflächenfeinheiten im Werkzeug und eine schlierenfreie Oberfläche erzielt werden. Durch ein optimiertes Temperiersystem mit konturnaher Flächentemperierung der Kavität benötigt der variotherme Prozess nur unwesentlich längere Kühlzeiten, als der konventionelle Prozess. Weitere Vorteile sind das Wegfallen von sichtbaren Bindenähten und eine erhebliche Reduktion des Bauteilverzugs. Für die Durchführung des Variothermen Spritzgießens stehen zwei unterschiedliche Temperiersysteme zur Verfügung. Neben einem Wechseltemperiersystem mit Wasser bis 200 °C können Spritzgießwerkzeuge auch über einen Dampfcontroller mit Wasserdampf bis 250 °C temperiert werden.

Unsere Anlagentechnik

2-Komponenten-Spritzgießen

Beim 2-Komponenten-Spritzgießen oder allgemein dem Mehrkomponentenspritzgießen werden mehrere Schmelzen während des Einspritzvorgangs sequentiell in einem Werkzeug zusammengeführt. Damit lassen sich zwei Polymerwerkstoffe mit deutlich unterschiedlichen Eigenschaften wirtschaftlich zu komplexen Geometrien fügen. Beispielsweise können hochsteife verstärkte Thermoplaste mit weichen thermoplastischen Elastomeren verbunden werden, was die Herstellung von 2K-Softtouch-Bauteilen für den automobilen Innenraum ermöglicht. Für dieses Sonderverfahren existieren verschiedene Prozessvarianten, wie z.B. Sandwich, Co-Injection, 2K- oder Overmoulding.

Drei 2-Komponenten Spritzgießmaschinen im Schließkraftbereich von 65 t bis 450 t und verschiedene Versuchswerkzeuge, wie Plattenwerkzeuge für Hart-Weich-Softtouch-Kombinationen stehen zur Verfügung.

Unsere Anlagentechnik

Spritzgieß-Compounder (IMC)

Spritzgieß-Compounder (IMC Injection Moulding Compounder) ermöglichen die Aufbereitung von maßgeschneiderten Materialrezepturen direkt auf der Spritzgießmaschine, was enormes technisches und wirtschaftliches Potenzial bei der Herstellung von polymeren Formteilen bietet. Die so genannte Direktcompoundierung wird durch die Kombination eines Doppelschneckenextruders mit einem Kolbenspritzaggregat im Zusammenspiel mit einer gängigen Schließeinheit realisiert. So können z. B. langfaserverstärkte Thermoplaste, Hoch- oder Nanopartikel-gefüllte Werkstoffe sowie Polymerlegierungen (Blends) kostengünstig und anforderungsgerecht erzeugt werden.

Im Bereich der Direktcompoundierung bieten wir auf Basis eines 200 t Spritzgießcompounders kundenspezifische Material- und Prozessentwicklungen für größere Produktionsanlagen. Aufgrund des universellen Einsatzspektrums ist eine ressourceneffiziente Rezepturentwicklung für Polymerlegierungen sowie für gefüllte und verstärkte Thermoplasten in „erster Wärme“ möglich.

Unsere Anlagentechnik

Spritzprägen

Beim Spritzprägen erfolgt zusätzlich zur klassischen Einspritzphase eine Schließbewegung des teilgeöffneten Werkzeugs. Durch diese Prägebewegung wird ein flächiger Nachdruck aufgebracht, der einen verminderten Verzug ermöglicht sowie die Möglichkeit, dünnwandige Bauteile mit langen Fließweglängen zu fertigen. Typische Anwendungen sind Kunststoffverscheibung (Glazing), langfaserverstärkte Strukturbauteile (LFT) oder auch Textilhinterspritzen. Wir verfügen über vier Spritzgießmaschinen mit moderner Prägesteuerung im Schließkraftbereich von 65 t bis 2.500 t und dafür geeignete Spritzgießwerkzeuge.

Unsere Anlagentechnik

 

Leistungsspektrum:

  • Materialanpassungen Compound-Entwicklung
  • Prozess- und Werkzeugentwicklung
  • Analytik von Struktur-Morphologie und Bauteileigenschaften
  • Übertragung von Versuchswerkzeugen auf reale Bauteile
  • Werkzeugabmusterungen für Spritzgießsonderverfahren